Freitag, September 20, 2019

Schützengedanken

Die Vereinsfahne und ihre symbolische Bedeutung

Eröffnungsrede der Präsidentin zum Königsball 2019

 

Sehr verehrte Gäste,
liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder!

unser Städtchen Bad Orb hat viele Traditionsvereine, der Schützenverein Bad Orb ist nur einer davon! Wir sind zwar ein Sportschützenverein, leben und lieben unseren schönen Sport, der leider oftmals von den Medien falsch dargestellt wird - aber dennoch steht nicht nur der Sport allein im Vordergrund! Die Tradition ist es, die dem Schützenwesen ihren Glanz verleiht und die uns Schützen ausmacht.

Neben den vielen schönen Schützentraditionen, die auf ganz unterschiedlichste Weise nach außen getragen, gelebt oder zelebriert werden, haben wir als Vereine doch alle eines gemeinsam! Wir alle stehen direkt hinter unserer Fahne, die für die Werte und Traditionen unseres Vereins, aber auch für die Kameradschaft und die Verbundenheit steht. 

Fahnen und Flaggen haben immer schon eine wichtige Rolle bei bedeutsamen Ereignissen in der Geschichte der Menschheit gespielt; sie haben patriotische Leidenschaft geweckt, die Freude bei Festlichkeiten und Feiern verstärkt oder bei einem Traueranlass ernste, feierliche Würde zum Ausdruck gebracht. Das hat sich auch in der modernen Zeit nicht verändert.

Die Fahne war als Stammes- oder Feldzeichen, aber auch als allgemeines Herrschaftszeichen schon im frühen Altertum bekannt. Sie gehört zu den ältesten Symbolen der Menschheit – auch wenn die Lehre der Vexillologie, der Fahnen- und Flaggenkunde, eine sehr junge Wissenschaft ist. Es gibt die Flaggen der Nationen, der Organisationen und der Bundesländer - auch Städte und Gemeinden haben ihre eigenen Fahnen. Institutionen, Verbände und wir als Vereine präsentieren uns mit ihnen in der Öffentlichkeit. 

Bei vielen Traditionsvereinen war damals der Wunsch nach einer eigenen Fahne stets eines der ersten Ziele nach der Gründung. Wollte man als junger, neuer Verein mit den Anderen auf einer Ebene stehen, so musste der Vorstand seinen Mitgliedern auch ein vergleichbares Symbol für den Zusammenhalt stellen.

Wie auch bei unserer Fahne wurde als Grundfarbe des Tuches häufig grün bevorzugt, erinnerte die grüne Farbe doch an die vorherrschenden Farben der Trachten und Uniformen der Schützengesellschaften, sowie an die Farben der Wiesen und Wälder, kurz an die Heimat, deren Sitt und Tracht man erhalten wollte.

Eine Fahne ist aber nicht nur ein buntes Tuch - sie dokumentiert das Alter und die historisch gewachsene Bedeutung einer Gemeinschaft! Sie ist auch zugleich Sinnbild für unverzichtbare Tugenden und Ausdruck des Geistes, der in einer Gesellschaft herrscht.

Die Grundlage für die Ehrerbietung vor der Fahne und die Einführung in die Öffentlichkeit ist die Fahnenweihe. Bildhaft wird bei der kirchlichen Weihe das ungeweihte Tuch zum Altar getragen und das Besprengen mit Weihwasser stellt gleichsam die Taufe dar. Mit dem Festakt soll die Fahne und ihre Gemeinschaft unter den Schutz Gottes gestellt werden.

Wir durften uns glücklich schätzen, dass einer der ältesten Schützenvereine Deutschlands, die Schützengesellschaft Büdingen, gegründet im Jahre 1353 die Patenschaft unserer Fahne bei der Weihe im Mai 1959 übernahm. Die weltliche Weihe, bei der die beiden Fahnen durch das Zusammenlegen einer Ecke direkt verbunden werden, wurde vom damaligen Bürgermeister der Stadt Büdingen, Herr Diemer, durchgeführt. Direkt daran folgte ein Tag später, die kirchliche Weihe durch den katholischen Pfarrer Lins und einige Jahre später gar, wurde uns selbst die Ehre zu Teil die Patenschaft der Fahne des Schützenvereins Aufenau im Jahr 1964, sowie unserer Freunde der Schießsportgemeinschaft Biebergemünd in 1990 zu übernehmen.

Die Fahne ist durch die erfolgte kirchliche und weltliche Weihe quasi ein Heiligtum, erst dieses Zeremoniell verleiht ihr ihre Kraft und Symbolwirkung, daher kommt ihr auch eine besondere Behandlung durch den Fähnrich zu. In unserem Falle, durch unseren noch amtierenden König Wolfgang II, der während seiner Amtszeit als unser Schützenkönig im vergangenen Jahr bestens vertreten wurde.

Das Amt des Fahnenträgers ist ein Ehrenamt, das mit großer Verantwortung gekoppelt ist. Er wird besonders ausgewählt, denn schließlich präsentiert er nicht nur sich und die Fahne, sondern repräsentiert den gesamten Verein! Während des Gebrauchs ist die Fahne von ihm pfleglich zu beschützen und mit der nötigen Achtung und Ehrfurcht zu behandeln.

Handgestickt und mit Goldfäden verziert, von einer der wenigen Firmen, die das alte Handwerk noch beherrschen, wird die Fahne zum Aushängeschild des Vereins und für seine Mitglieder unersetzbar.

Allein ausschlaggebend für die Kostbarkeit einer Fahne ist aber nicht nur der materielle Wert, sondern vor allem der ideelle, da es sich bei jeder Vereinsfahne um eine ganz individuelle Ausfertigung handelt, einzigartig in ihrer Fertigung, gilt sie als das höchste Gut des Vereins.

Unsere Fahne steht für Zusammengehörigkeit und kameradschaftlichen Gemeinschaftssinn. Sie ist Ausdruck der uns Menschen innewohnenden Sehnsucht, Gleichgesinnte um sich zu haben, die füreinander einstehen und miteinander bestimmte Ziele und Ideale verfolgen.

Sie ist ein Symbol der Treue, denn als äußeres Zeichen unserer Heimatverbundenheit verdeutlicht sie die Identifikation unserer Gemeinschaft mit unserem Heimatort und steht zugleich für die Redlichkeit gegenüber den eigenen Überlieferungen unseres Vereins, zu den edlen Gewohnheiten und schönen Bräuchen.

Gleichfalls ist sie ein Bekenntnis, denn Bild und Schrift sind Ausweis dafür, zu welchen Werten wir uns bekennen, welchem Schutzpatron wir uns vertrauensvoll verbunden wissen und welchem kulturellen Erbe wir uns verpflichtet fühlen.

So ist unsere Fahne ein Zeichen des Vertrauens in den Schutz und die Fürbitte des heiligen Bischof Martin von Tours, besser bekannt als St. Martin, Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche und Stadtpatron unserer Heimatstadt Bad Orb.

Auf dem anderen Blatt unserer Fahne thront der Königsadler über dem Schützensymbol als Hüter und Wächter der Unseren.

Der majestätische Steinadler war als Hochwild früher ausschließlich dem Adel vorbehalten und verkörpert so berechtigterweise die Darstellung des Königsadlers beim Königsschießen auf den Vogel.

Unsere Fahne ist ein Symbol der Ehrfurcht. Die Ehrerbietung wird durch das Neigen und Senken zu bestimmten Momenten und Anlässen, besonders bei Gedächtnisfeiern deutlich gemacht.

Sie ist aber auch ein Zeichen der Erinnerung an denkwürdige Ereignisse der Vergangenheit. Die eingestickten Jahreszahlen und Sinnbilder manifestieren das Selbstverständnis unserer Gruppe und bewahren uns vor dem Vergessen historischer Fakten.

Unter unserer Fahne sollen all die sich versammeln und an ihr festhalten, die Treu zum Verein stehen und im Wandel der Zeit seine Ideale und Wertvorstellungen hochhalten.

Wir verbinden die Vergangenheit mit ihrer Besinnung auf Traditionen, Bewährtes und Überliefertes mit der Zukunft, ihren Neuerungen, Verbesserungen und Visionen.

In Erinnerung an das alte Bekenntnis, wollen wir Flagge zeigen! Wir schreiben uns die Kardinalstugenden auf unsere Fahne und identifizieren uns mit ihrer symbolischen Bedeutung, wie auch der folgende heilige Fahnenspruch, der uns bei der Weihe mitgegeben wurde, zum Ausdruck bringt:

Tragt sie, die neue Fahne
voran im Wandel der Zeit
erhaltet der Heimat die Freiheit
dem Verein die Treue, in Brüderlichkeit
dann ist sie, die Fahne, die Hehre,
auch das Symbol eurer Ehre!