Freitag, Dezember 15, 2017

Böllerschützen

Die Geschichte des Böllerschießens lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen, wenngleich belegte Chroniken rar sind (Erstnachweis 1377). Das liegt auch daran, dass das Böllerschießen nicht als eigenständiger Brauch betrachtet werden kann, sondern sich mit vielerlei anderen Traditionen entwickelt hat. Die Idee, mit Schwarzpulver Krach zu machen, dürfte so alt sein wie die Entdeckung des Schwarzpulvers selbst. 

Zwei ältere Hinweise auf frühes Böllerschießen: 

  • Einer Sage nach probten die Hornberger (Schwarzwald) so lange ihre Böllerschüsse für die Ankunft des Fürsten (wahrscheinlich Eberhard Ludwig 1677–1733), bis ihnen schon vor dem hohen Besuch das Pulver ausging, wodurch sich auch das Sprichwort „Das ging aus wie das Hornberger Schießen …“ abgeleitet haben könnte.

  • In einem Erlass vom 16. Juli 1696 wird das Böllern bei Strafandrohung wegen seiner Gefährlichkeit in der Markgrafschaft Ansbach verboten.

IMG 8272Des Weiteren gibt es insbesondere aus dem 18. Jahrhundert einige Überlieferungen, wo sich Schützengesellschaften Böllergeräte anfertigen ließen oder dass auf diversen Festivitäten geschossen wurde.

Bei den Böllergeräten wird unterschieden zwischen Handböller, Standböller und Böllerkanone. Handböller sind meist sehr aufwändig verziert und unterteilen sich weiter in pistolenartige oder auch gewehrartige, welche dann Schaftböller, Böllerbüchse, Böllerstutzen oder Prangerstutzen genannt werden. Die Böller sind in der Regel Vorderlader und werden mit Schwarzpulver befüllt. Gezündet wird die Ladung durch ein Zündhütchen welches wiederum durch einen Schlagbolzen (meist bei Kanonen und Standböllern) oder durch ein Perkussionsschloss (bei Handböllern) gezündet wird.

Die Ausführung dieser Tradition findet heute unter strengen Sicherheitsauflagen und Kenntnisprüfung statt.  

Woher dieser Brauch kommt ist nicht ganz zu belegen. Das Böllerschießen fand im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Anwendungen: zum einen sollte es die bösen Geister und Dämonen vertreiben, es wurde eingesetzt um das Wetter zu ändern, aber auch als Ausdruck der Lebensfreude zu Taufen, Geburtstagen oder Hochzeiten. Später galt es als höchste Ehrerweisung wenn Herrscher und Könige zu Besuch kamen und mit Böllerschüssen empfangen wurden. In Bad Orb wird traditionell nach dem Fall des Vogels am Königsschießen zu Ehren des neuen Königshauses geböllert.