Freitag, Dezember 15, 2017

Schützenbrauchtum - Wir sind Kulturerbe

Das Expertenkomitee der UNESCO würdigte das „Schützenwesen in Deutschland“ als „Ausdruck lokal aktiver Kulturpraxis mit lebendiger Traditionspflege, die stark in örtliche Sozial- und Kulturmilieus eingebunden ist“. Die UNESCO-Konvention ist eine Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur und trägt zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bei. Der Präsident des Deutschen Schützenbunds, Heinz-Helmut Fischer, und der Generalsekretär der „Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen“, Peter-Olaf Hoffmann, nahmen die Urkunde am 11. März 2016 entgegen. Die Wertschätzung, die mit dem Eintrag in das Bundesweite Verzeichnis verbunden ist, gilt den Mitgliedern in den Vereinen, die nicht nur sehr viel Herzblut investieren, um die alten, überlieferten Bräuche aktiv aufrecht zu erhalten und zu pflegen, sondern auch die Aufgeschlossenheit und Fantasie mitbringen, diese in Zeiten schnellen gesellschaftlichen und demografischen Wandels durch kreative Anwendung und Veränderung gerade auch der jungen Generation weiterzugeben und damit am Leben zu halten.

Die Schützenkönige 2017Das Schützenwesen ist vielerorts ein wichtiger, historisch gewachsener und lebendiger Teil der lokalen Identität. Es umfasst eine große Anzahl von Bräuchen und Traditionen, die in ganz Deutschland in zahlreichen unterschiedlichen Erscheinungsformen verbreitet sind. Das Schützenwesen hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder auf Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert und sich enorm ausdifferenziert. Das alte Brauchtum wird heute in der Regel im Rahmen einer Vereinszugehörigkeit von Menschen jeden Alters und Geschlechts unabhängig von der Herkunft oder auch Behinderung ausgeübt. Es gibt vielfältige Maßnahmen zur Weitergabe der Tradition, unterschiedliche Formen der Jugendarbeit und eine aktive Pflege regionaler und europäischer Verbindungen.

Bekanntester und wesentlicher Ausdruck des Schützenwesens ist auch beim Schützenverein e. V. Bad Orb das Königsschießen, welches mit dem Königsball und der festlichen Proklamation des neuen Königshauses seinen Höhepunkt findet. Eingeleitet werden die Festtage durch die gebührende Verabschiedung des scheidenden Königshauses im Schützenhaus in der Au, gefolgt vom traditionellen Großen Zapfenstreich auf dem historischen Marktplatz von Bad Orb am Tag vor dem Königsschießen, bei dem die uniformierten Schützen durch die vom Fackelschein erleuchtete Altstadt marschieren, um zugleich das alte Königsjahr zu beschließen und das neue einzuläuten.

Jedes Schützenfest hat lokal hergebrachte Rituale und Bräuche und unterschiedliche Abläufe. Über dieses singuläre Ereignis im Jahr hinaus prägen gerade in kleineren Orten die unterschiedlichen ortsbezogenen Bräuche der Schützenvereinigungen das soziale und kulturelle Gemeinschaftsleben, sodass die Schützentradition das ganze Jahr wahrnehmbar ist und gelebt wird.

Die Ursprünge des Schützenwesens reichen vielerorts bis ins Mittelalter zurück – so ist auch das Schützenwesen in Bad Orb bis ins 15. Jahrhundert zurückzuführen, welches ein erst kürzlich entdecktes Dokument aus dem fürstlichen Archiv im Schloss Büdingen beweist. Bei dem eingesehenen Dokument, welches das Siegel des Schultheißen zu Orb, Johann Baurmann trägt, handelt es sich um ein Einladungsschreiben für ein Schießen an die Schützen zu Birstein, damals Residenz und Hofhaltung des Grafen Philipp zu Ysenburg, der Schützenmeister und Schießgesellen zu Orba vom 07. September 1585.

Auch zeugen etliche wertvolle Erinnerungsstücke, die den Gastraum des Vereinsheims zieren, wie z.B. Königsscheiben und Orden des bereits 1926 gegründeten Schützenvereins in Bad Orb, von einer weitreichenden Vorgeschichte des Bad Orber Schützenwesens, vor der Neugründung von 1956 des heute bestehenden Vereins.

Eine weitere Tradition der Schützen in Bad Orb ist das Treffen der Schützenkönige, welches jedes Jahr am Samstag nach den Heiligen drei Königen im Januar stattfindet. Ein Tag, an dem sich alle Majestäten versammeln, um die Traditionen um den Königsstatus zu ehren und aufleben zu lassen. - So wie jeder Schützenkönig sein Königsjahr mitgestaltet und individuell geprägt hat, so wird der Verein durch das Leben der Traditionen und Bräuche der Orber Schützen geprägt.

Das Finden und Leben einer eigenen Interprätation des jahrhundertealten Schützenbrauchtums steht für Willensstärke, Mut und kameradschaftliche Treue. In den Traditionen des Schützenverein e.V. Bad Orb sind sowohl der Schießsport, als eben auch die Geselligkeit und Pflege des heimatlichen Brauchtums fest verankert. Hier heißt es: Nach vorne schauen und diese Schätze bewahren! Die Gemeinschaft der Orber Schützen handelt nicht nur aus Tradition, sondern entwickelt sich stets mit den heutigen sportlichen, sozialen und gesellschaftlichen Anforderungen um dieses Erbe zu unterstützen und zu erhalten.